Calligraphr ist ein Tool zur Erstellung von einfachen Schriften, das ich zu schätzen gelernt habe. Es ist nicht für aufwändige Entwicklungen da – für mich liegt daher der Reiz in kurzer Entwicklungszeit und rohen Ergebnissen. Ein paar davon könnt ihr ja bereits unter Yuzuzine Fonts sehen :)
Ich wollte gerne teilen, wie ich (grob) vorgehe, auch wenn es von Calligraphr ein gutes kleines Tutorial gibt. Diese Browser-App lässt sich kostenlos nutzen; wenn ich mal mehr Zeit habe, an Schriften zu arbeiten, hole ich mir auch mal einen Monat Pro-Zugang*. Wenn du Fragen zu dem Vorgehen hast, schreib mich gerne an!
Klicke im oberen Menü auf , dort findest du links die bereits bestehenden Gruppen, rechts siehst du, was gerade Teil deines Templates ist (siehe Bild). Du kannst jederzeit einzelne Elemente entfernen.
Ich persönlich arbeite mit diesen Gruppen:
- Minimal Deutsch
- Minimal Englisch
- Minimal Zahlen
- Häufige Satzzeichen
- Ligaturen (wenn ich Lust und gerade Pro-Version von Calligraphr habe, allerdings nicht die komplette Liste von Calligraphr, sondern ff, fi, fl, ch, ck, sch, sh, st, tt, th, sp, ss)

2. Template ausfüllen
Hier empfehle ich persönlich, einen schwarzen Stift analog oder digital zu nehmen, mit dem du so arbeiten kannst, wie es für die geplante Schrift gedacht ist. Wenn es eine eher „abgerockt“ aussehende Schrift sein soll, kann ein etwas hakeliger Stift mit Aussetzern vielleicht cooler sein als ein superneuer mit tollem Fluss! Oder andersherum, wenn es etwas Cleaneres werden soll. Wenn du mit einem großen Stift arbeiten möchtest, der über die Felder hinaus geht (z.B. mit einem richtig breitem Edding o. Ä.), empfehle ich, sie eben groß aufzuschreiben ohne Raster, einzuscannen/abzufotografieren und in einem Programm deiner Wahl in das Raster zu setzen.
Sofern du analog Fehler gemacht hast im Template, drucke dir das Template erneut aus und fülle das Feld aus, in dem du dich vorher vertan hattest. Später werden dann zwar zwei Mal dieselben Buchstaben hochgeladen, aber du löschst dann den, den du nicht behalten möchtest später in der App.
Wenn du möchtest, dass die Schrift noch etwas realistischer nach Handschrift aussieht in vielen Anwendungen, fülle dieselben Templates nochmal aus und lade alles hoch. Calligraphr erkennt doppelte Elemente als Variante an (siehe dazu später Punkt 5 und 6!). In der kostenlosen Version lassen sich 2 Varianten pro Zeichen erstellen, in der Pro-Version bis zu 15. Wenn du mich fragst, sind 2 Varianten für 99% aller Fälle völlig fein!
Scanne die Templates am besten bei mind. 300 dpi und NICHT in Schwarz-Weiß (so werden die Zeichen qualitativ verschlechtert). Das Abfotografieren ist natürlich auch möglich :) Dann empfehle ich es, formatfüllend zu fotografieren mit nur wenig Reinzoomen und bei gleichmäßigem Tageslicht (siehe Bild). Dringend abzuraten ist von Apps wie z.B. Adobe Scan, wodurch Ähnliches passiert wie beim eigenen Scannen in Schwarz-Weiß, teils sogar noch heftiger!
4. Template uploaden
Unter eine neue Schriftart anlegen (Name, Metadaten und weitere Einstellungen lassen sich später auch noch verändern, hier würde ich also nur irgendeinen Namen eingeben und dann weiterklicken). In der kostenlosen Version kannst du immer an einer Schriftart arbeiten*, in der Pro-Version an bis zu 20 zugleich – auch wenn man unbegrenzt viele in beiden Account-Varianten erstellen kann.
Unter werden die Dateien hochgeladen, die du ausgefüllt hast. Wenn du die Templates handschriftlich ausgefüllt hast, empfehle ich, „Templates automatisch bereinigen“ anzulassen. Solltest du mit einem Grafikprogramm wie z.B. Illustrator gearbeitet haben und ohne Hilfslinien, kannst du diese Funktion auch ruhig abwählen. Ich arbeite am liebsten am iPad, um die Templates auszufüllen und wenn es sich nicht um eine superfeine und super detaillierte Schrift handelt, hat die automatische Bereinigung sehr gut für mich geklappt.
5. Zeichen prüfen
Auch wenn die Zeichen-Übersicht für dich super aussieht – prüfe die Zeichen, indem du dir z.B. Zeichenabstand (Bild) und Grundlinie/Größe (Bild) anschaust. Beim handschriftlichen Erstellen und/oder auch durch minimale Anpassungen durch Calligraphr, können Buchstaben etwas höher oder niedriger oder weiter voneinander weg sitzen, als du vielleicht willst. Ich klicke dafür tatsächlich in jedes Zeichen und schaue es mir an – sofern es eher „ordentlich“ aussehen soll bei der Schrift. Manchmal entferne ich etwas in mit der einfachen Radiergummi-Funktion oder füge etwas mit der Zeichen-Funktion hinzu. Bei einer absichtlich chaotischen Sache, passe ich gar nicht soviel an, haha.

Metadaten unter bearbeiten würden ich nicht überspringen: Sie verändern das Aussehen deiner Schrift nicht, gehören aber zur fertigen Fontdatei. Dort kannst du z. B. Schriftname, Designer*in, Copyright und Versionsnummer hinterlegen. Das wird besonders wichtig, wenn du die Schrift weitergibst oder später verschiedene Versionen davon erstellst.
Und wenn du dann wirklich fertig bist, lade die Schriftart als .ttf und .otf in dem PopUp von herunter (denk an die Checkbox, falls du keine Varianten eingearbeitet hast). Für mich installiere ich .otf, weil das quasi das vielseitigere Format ist, besonders für Varianten und Ligaturen, aber nicht immer von älteren Systemen erkannt wird (da ist dann .ttf ganz nice).
* In der kostenlosen Version wird die Zeichen-Übersicht nicht ewig gespeichert, sondern nur so lange, wie die Daten für Calligraphr in deinem Browser hinterlegt sind. Wenn du länger als 1-2 Wochen an einer Schrift arbeiten möchtest, würde ich einen Pro-Account empfehlen – dann sichert Calligraphr fortlaufend alles auf dem eigenen Server. Du musst dafür auch kein Abo abschließen, sondern kannst extra die Funktion „Einmal-Zahlung“ nutzen (10€).